DIE HOHE KUNST DER PING-PONG-DIPLOMATIE
Wenn politische Bemühungen nicht fruchten und diplomatische Gespräche kaum mehr was bringen, tragen manchmal ganz unverhofft sportliche Ereignisse zur Annäherung verfeindeter Staaten bei.
Text: M.Messerli / Foto: Google
1971: Die politische Beziehung zwischen China und den USA ist frostig. Alle bisherigen Versuche der beiden indirekten Opponenten im Koreakrieg, sich einander anzunähern, sind gescheitert.
An der Tischtennis-Weltmeisterschaft im japanische Nagoya freundeten sich im selben Jahr die Spieler Glen Cowan (USA) und Chuang Tse-Tung (China) an. Cowan hatte seinen Teambus verpasst und durfte trotz aller Vorbehalte bei der chinesischen Mannschaft mitfahren. Beeindruckt von der chinesischen Gastfreundschaft, äusserte Cowan in einem Interview später den Wunsch, China persönlich zu besuchen, worauf ihn der Generalsekretär des chinesischen Tischtennisverbands Sung Chung nach Peking einlud. Dieser ersten Annäherung auf sportlicher Ebene folgte noch im selben Jahr ein offizieller Besuch von Henry Kissinger, im Jahr darauf von Richard Nixon, wodurch die diplomatischen Verhandlungen zwischen den beiden Ländern wieder aufgenommen und Spannungen abgebaut wurden. Diese unkonventionelle Annäherung ging später unter dem Begriff Ping-Pong-Diplomatie in die Geschichtsbücher ein.
Vielleicht nicht gerade Gespräche weltpolitischen Ausmasses, sicher aber spannende Diskussionen, sportliche Betätigung zu guter Musik und vielleicht ein Näherkommen auf persönlicher statt politischer Ebene, verspricht SuperPingPong im Bonsoir jeweils am ersten Mittwoch des Monats.

